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Löten ungefederter Schnittstellenpins (IF-PI): THT-Einlöten und Drahtanlöten

Einleitung

Die Schnittstellenpins (IF-PI) von uwe electronic sind massive, ungefederte Kontaktstifte. Sie bilden das Gegenstück zu gefederten Batteriekontakten und übertragen Lade- und Signalströme – je nach Bauform bis zu 55 A. Verfügbar sind Ausführungen für THT- und SMD-Montage sowie mit Löt-, Crimp- und Hülsenanschluss, in Durchmessern von ca. 1,07 bis 7,0 mm und Längen von ca. 2,0 bis 27,0 mm.

Da diese Pins keine innenliegende Feder enthalten, entfällt die bei gefederten Kontakten maßgebliche Temperaturbeschränkung: Es besteht kein Risiko einer Relaxation des Federwerkstoffs. Die Pins bestehen aus massiven Dreh- bzw. Stanzteilen aus Kupferlegierung mit metallischer Oberflächenbeschichtung und sind damit thermisch unkritisch – Standard-Lötprozesse können ohne Einschränkung angewendet werden.

Wesentlicher Unterschied zu gefederten Kontakten: keine Temperaturbeschränkung erforderlich.

Bei ungefederten Schnittstellenpins gibt es keine Feder, deren Vorspannung durch Wärmeeintrag nachlassen könnte. Übliche Reflow-, Wellen-, Selektiv- und Handlötprozesse (Peak bis ca. 260 °C, Lötkolben bis ca. 380 °C) sind ohne besondere Zeitbegrenzung anwendbar.

Im Fokus stehen bei diesen Pins stattdessen die mechanisch korrekte Positionierung und der Schutz der Kontaktfläche vor Flussmittel, Lot und Verunreinigungen.


Was bei ungefederten Pins stattdessen entscheidend ist

Weil die thermische Belastung unkritisch ist, verlagert sich der Schwerpunkt der Verarbeitung auf drei andere Punkte:

  • Sauberkeit der Kontaktfläche: Die Kontaktzone (Stirn- bzw. Mantelfläche, die später den Gegenkontakt berührt) muss frei von Lot, Flussmittelresten und Reinigungsmittelrückständen bleiben. Verunreinigungen erhöhen den Übergangswiderstand und beeinträchtigen die Kontaktsicherheit dauerhaft.
  • Kein Lotaufstieg (Wicking): Über die Kapillarwirkung kann flüssiges Lot am Pin entlang in Richtung Kontaktfläche wandern. Lötmenge, Lötzeit und Bohrungsspiel sind so zu wählen, dass das Lot auf den Anschlussbereich begrenzt bleibt.
  • Maßhaltige, senkrechte Positionierung: Ungefederte Pins haben keinen Federweg, der Toleranzen ausgleichen könnte. Die Einbaulage (Höhe, Rechtwinkligkeit, Rastermaß) bestimmt daher unmittelbar die Kontaktgeometrie zum Gegenkontakt und ist mit einer Montagehilfe bzw. Lötschablone zu sichern.

THT-Einlöten in die Leiterplatte

Für das Einlöten bedrahteter Schnittstellenpins gelten die üblichen Prozessparameter der Elektronikfertigung ohne Einschränkung (Richtwerte für bleifreie SAC-Lote; das tatsächliche Profil ist immer anlagen- und baugruppenspezifisch zu ermitteln):

VerfahrenTypische ParameterKontaktzeit mit dem Lot
Wellenlöten Vorheizen Oberseite 100–150 °C; Lötwelle ca. 250–260 °C ca. 2–5 Sekunden je Anschluss
Selektivlöten (Mini-Welle/Düse) lokales Vorheizen ca. 100–130 °C; Lötbad/Düse ca. 260–270 °C ca. 2–6 Sekunden je Lötstelle
Handlöten (Kleinserie/Rework) Lötkolben ca. 350–380 °C (bleifrei), je nach Pin-Masse ca. 3–6 Sekunden je Anschluss

Hinweis zur Handlötung: Anders als bei gefederten Kontakten darf hier ruhig länger und mit etwas höherer Temperatur gelötet werden. Massive Pins mit großem Querschnitt (z. B. 4,5 mm oder 7,0 mm Durchmesser für hohe Ströme) haben eine erhebliche Wärmekapazität – eine zu niedrige Kolbentemperatur oder zu kurze Lötzeit führt hier eher zu kalten Lötstellen als eine etwas längere Wärmezufuhr zu einem Schaden.


Vorbereitung

  1. Bohrungsdurchmesser prüfen: Für eine vollständige Durchstieg-Verzinnung ist ein Ringspalt von typischerweise ca. 0,1–0,25 mm gegenüber dem Pin-Durchmesser vorzusehen. Zu großes Spiel begünstigt Lotdurchfall, zu geringes Spiel verhindert den Lotaufstieg in der Bohrung.
  2. Bei hohen Strömen: ausreichende Kupferfläche bzw. Anbindung an Innenlagen einplanen – ein massiver Pin nutzt seinen Querschnitt nur, wenn die Leiterplatte den Strom auch weiterführen kann.
  3. Montagehilfe/Lötschablone verwenden, um Einbauhöhe und Rechtwinkligkeit während des Lötens zu fixieren.
  4. Kontaktfläche abdecken bzw. so ausrichten, dass sie vom Flussmittelauftrag und der Lötwelle nicht erreicht wird.

Lötvorgang

  1. Pins bestücken und in der Montagehilfe fixieren; auf gleichmäßige Einstecktiefe aller Pins achten.
  2. Fluxen (bei Wellenlöten die gesamte Lötseite, bei Selektivlöten gezielt nur die Lötstellen).
  3. Vorheizen gemäß Tabelle in Abschnitt 3 – hier gilt das volle Standardband, eine Begrenzung wie bei gefederten Kontakten ist nicht erforderlich.
  4. Löten: Welle passieren lassen bzw. Düse/Lötkolben ansetzen, bis die Bohrung vollständig durchgestiegen und benetzt ist.
  5. Abkühlen lassen, Baugruppe erst nach Erstarren des Lotes aus der Montagehilfe entnehmen, damit die Pin-Position erhalten bleibt.
  6. Flussmittelreste gemäß Ihren Prozessvorgaben reinigen – dabei sicherstellen, dass keine Rückstände auf der Kontaktfläche verbleiben.

Drahtanlöten an Schnittstellenpins

Schnittstellenpins mit Lötanschluss (Lötfahne, Lötkelch oder Lötstift) lassen sich direkt mit einer Litze verbinden – typisch für Ladeschalen, Adapterkabel und Prüfvorrichtungen. Da kein Federschutz zu beachten ist, kann mit den üblichen Temperaturen und einer für den Querschnitt angemessenen Lötzeit gearbeitet werden.


Benötigtes Werkzeug und Material

  • Temperaturgeregelte Lötstation, Lötspitze passend zur Pin-Masse (bei großen Querschnitten kräftige Meißelspitze verwenden)
  • Lötzinn mit Flussmittelseele (bleifreies SAC-Lot oder Sn60Pb40 gemäß Anwendungsvorgabe)
  • Fixiervorrichtung bzw. kleiner Schraubstock zur Halterung des Pins
  • Abisolierzange, Schrumpfschlauch zur Zugentlastung/Isolation
  • Lupe zur Sichtkontrolle der Lötstelle

Vorgehensweise

  1. Litze passend zum Nennstrom des Pins wählen und ca. 3–5 mm abisolieren (bei Lötkelch: Abisolierlänge auf die Kelchtiefe abstimmen).
  2. Litze vorverzinnen, damit die eigentliche Lötzeit am Pin kurz und die Verbindung sauber bleibt.
  3. Pin in der Fixiervorrichtung einspannen – so ausrichten, dass die Kontaktfläche nicht mit Lot oder Flussmittel in Berührung kommt.
  4. Lötkolben auf ca. 350–380 °C einstellen (höherer Wert bei großen Querschnitten) und die Spitze mit frischem Lot benetzen.
  5. Anschlussbereich des Pins erwärmen, bis das Lot dort sicher fließt; vorverzinnte Litze einlegen bzw. in den Lötkelch einführen und Lot zugeben, bis die Verbindung vollständig gefüllt und glänzend benetzt ist.
  6. Lötkolben entfernen und die Lötstelle ungestört abkühlen lassen – Litze währenddessen nicht bewegen.
  7. Schrumpfschlauch als Zugentlastung und Isolation über die Lötstelle aufbringen.
  8. Sichtprüfung und Zugprobe an der Litze durchführen.

Wichtige Hinweise

Kontaktfläche freihalten: Kein Lot, kein Flussmittel und keine Reinigungsmittelrückstände auf der Kontaktzone – dies ist bei ungefederten Pins der wichtigste Qualitätsfaktor.

Lotaufstieg begrenzen: Lötmenge und Lötzeit so bemessen, dass das Lot nicht kapillar in Richtung Kontaktfläche wandert.

Einbaugeometrie sichern: Ungefederte Pins gleichen keine Toleranzen aus – Einbauhöhe, Rechtwinkligkeit und Rastermaß mit Montagehilfe fixieren und nach dem Löten prüfen.

Querschnitt beachten: Bei Pins für hohe Ströme ausreichend Wärmeleistung und Lötzeit einplanen, damit keine kalten Lötstellen entstehen.


Qualitätskontrolle nach dem Löten

  • Sichtprüfung der Lötstellen: vollständige Durchstieg-Verzinnung bzw. vollständig gefüllter Lötkelch, glänzend, keine kalten Lötstellen
  • Kontaktfläche visuell frei von Lot, Flussmittel und Rückständen
  • Einbauhöhe, Rechtwinkligkeit und Rastermaß der Pins gemäß Zeichnung geprüft
  • Bei Drahtanschluss: Zugprobe an der Litze ohne Ablösen der Lötstelle
  • Bei Bedarf: Übergangswiderstand der fertigen Verbindung messen

Zusammenfassung

AspektUngefederte Schnittstellenpins (IF-PI)Vergleich: gefederte Kontakte
Temperaturgrenze keine bauteilseitige Begrenzung, Standardprozesse zulässig ca. 150 °C Richtwert für den Federstahl
Reflow / Welle Standardprofil ohne Zeitbegrenzung Zeit oberhalb 150 °C minimieren
Handlöten ca. 350–380 °C, Lötzeit nach Pin-Masse ca. 330–350 °C, nur 2–3 Sekunden
Kritischer Punkt Sauberkeit der Kontaktfläche, Lotaufstieg, Einbaugeometrie thermische Belastung der Feder

Fragen zu Ihrer Anwendung?

Unser Technik-Team unterstützt Sie gerne bei der Auswahl des passenden Schnittstellenpins und bei der Auslegung Ihres Lötprozesses. Einen Überblick über das Sortiment – inklusive der passenden Hülsen – finden Sie unter uweelectronic.de – Schnittstellenpins.

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