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Glossar Peltiertechnologie / Thermoelektrik

Die wichtigsten Fachbegriffe rund um Peltierelemente und thermoelektrische Module – kurz erklärt.

Anpressdruck
Flächenpressung, mit der das Modul zwischen Kühlkörper und Kühlplatte geklemmt wird. Empfohlen 3–8 kg/cm², konstruktive Obergrenze 15 kg/cm².
Aspektverhältnis
Verhältnis von Schenkelhöhe zu Querschnittsfläche eines Halbleiterschenkels. Bestimmt Strom-Spannungs-Verhalten und erreichbares ΔT.
Al₂O₃ (Aluminiumoxid)
Standardkeramik für Substrate von Peltierelementen; Wärmeleitfähigkeit ca. 24–30 W/(m·K).
AlN (Aluminiumnitrid)
Hochwertige Substratkeramik mit ca. 150–180 W/(m·K); Aufpreisvariante für hohe Wärmestromdichten.
Bismuttellurid (Bi₂Te₃)
Thermoelektrisches Halbleitermaterial mit optimaler Leistung im Bereich um Raumtemperatur; Standardmaterial für Kühlmodule.
Bleitellurid (PbTe)
Thermoelektrisches Material für ca. 250–450 °C, überwiegend in der Stromerzeugung eingesetzt.
COP (Leistungszahl)
Coefficient of Performance; Verhältnis aus gepumpter Wärmeleistung zu aufgenommener elektrischer Leistung: COP = Qc/Pel.
CTE
Coefficient of Thermal Expansion, Wärmeausdehnungskoeffizient. Unterschiede zwischen Modul und angrenzenden Bauteilen erzeugen Scherspannungen.
Cyclermodul
Für häufige und große Temperaturwechsel optimiertes Peltierelement mit erhöhter Zyklenfestigkeit.
Dice / Die
Einzelner Halbleiterblock (Schenkel) aus thermoelektrischem Material, aus dem das Modul aufgebaut ist.
Dünnschichtmodul
Peltierelement, dessen thermoelektrisches Material als Schicht abgeschieden statt aus Blöcken gesägt wird; sehr flach und schnell, aber leistungsschwach und teuer.
Emissionsgrad (ε)
Verhältnis der von einer Oberfläche abgestrahlten Energie zu der eines schwarzen Körpers gleicher Temperatur; bestimmt die Strahlungswärmelast.
Energy Harvesting
Gewinnung elektrischer Energie aus Abwärme über den Seebeck-Effekt. Wirtschaftlich nur in Nischen (Raumfahrt, sehr große ΔT).
Erzwungene Konvektion
Wärmeabfuhr mit Lüfter- oder Gebläseunterstützung; senkt den thermischen Widerstand eines Kühlkörpers um ein Vielfaches gegenüber freier Konvektion.
Freie Konvektion
Wärmeabfuhr allein über natürliche Luftströmung ohne Lüfter.
Gap-Filler
Sehr weiches, hoch wärmeleitfähiges Interfacematerial (10–50 W/(m·K)) zum Ausgleich großer mechanischer Toleranzen; Dicke 0,2–2,0 mm.
Graphitfolie
Anisotropes Interfacematerial aus über 98 % reinem Graphit; bis 200 W/(m·K) in der Ebene, silikonfrei, über 300 °C beständig.
Gütefaktor Z / ZT
Figure of Merit; Z = S²·σ/λ. Kennzahl für die Qualität eines thermoelektrischen Materials; gute Bi₂Te₃-Module erreichen ZT ≈ 0,8–1,0.
Höhentoleranz
Zulässige Abweichung der Modulbauhöhe; Standard ±0,3 mm, geläppte Ausführung ±0,03 mm.
Interstage-Temperatur
Temperatur zwischen zwei Stufen eines Kaskadenmoduls.
Imax
Strom, bei dem das Modul seine maximale Temperaturdifferenz erreicht.
Joule'sche Wärme
Durch den elektrischen Widerstand im Modul erzeugte Verlustwärme; fällt auf beiden Seiten an und begrenzt die Leistung bei hohen Strömen.
Kaskade (mehrstufiges Modul)
Stapelung mehrerer Module thermisch in Reihe zur Erzielung sehr großer Temperaturdifferenzen (zweistufig ca. 91–106 K, dreistufig ca. 111 K).
Kaltseite
Modulfläche, die im Kühlbetrieb Wärme aufnimmt und am zu kühlenden Objekt anliegt.
Konduktion
Wärmeleitung innerhalb eines Materials aufgrund eines Temperaturgefälles.
Kühlkörper
Bauteil, das die Abwärme der Warmseite an die Umgebung überträgt. Sein thermischer Widerstand bestimmt maßgeblich die erreichbare Kaltseitentemperatur.
Latente Wärme
Wärmemenge, die für einen Phasenwechsel eines Stoffes erforderlich ist, ohne dass sich die Temperatur ändert.
MTBF
Mean Time Between Failures. Für Peltierelemente im stationären Betrieb über 200.000 Stunden; im Zyklenbetrieb deutlich geringer.
Metallisierung
Beidseitig lötfähige Beschichtung der Keramikflächen; ermöglicht das direkte Auflöten kleiner Module (Suffix M).
Miniaturmodul / Mikro-TEC
Peltierelement mit sehr kleiner Grundfläche und Bauhöhe, häufig in TO-Gehäusen zur Kühlung von Laserdioden und Detektoren.
Modul (TEC)
Thermoelectric Cooler; komplettes Bauelement aus vielen Thermopaaren zwischen zwei Keramiksubstraten.
n-Typ
Halbleitermaterial mit Elektronenüberschuss.
Optimaler Strom
Strom, bei dem für eine gegebene Aufgabe der beste COP erreicht wird; liegt in der Regel unter 50 % von Imax.
p-Typ
Halbleitermaterial mit Elektronenmangel (Löcherleitung).
Parylene
Sehr dünne, im Vakuum abgeschiedene Schutzbeschichtung (Suffix P); gute Feuchtesperre bei minimaler Wärmerückkopplung.
Peltier-Effekt
Wärmetransport von einer Verbindungsstelle zur anderen bei Stromfluss durch zwei unterschiedliche Materialien; physikalische Umkehrung des Seebeck-Effekts.
Phase Change Material (PCM)
Interfacematerial, das beim Erwärmen weich wird, Rauheiten benetzt und Lufteinschlüsse verdrängt; thermische Widerstände bis 0,2 K·cm²/W, silikonfrei, migrationsfrei.
PWM
Pulsweitenmodulation. Kostengünstige Ansteuerung, verursacht aber zusätzliche Joule'sche Wärme und reduziert ΔT und COP gegenüber Gleichstrom.
Qc
Auf der Kaltseite aufgenommene (gepumpte) Wärmeleistung.
Qh
Auf der Warmseite abzuführende Wärmeleistung: Qh = Qc + Pel.
Qmax
Maximale Wärmepumpleistung bei ΔT = 0 K und Imax.
Restwelligkeit (Ripple)
Wechselanteil der Versorgungsspannung. Empfohlen < 5 %, maximal 10 %, bei Kaskaden < 2 %.
Rth (thermischer Widerstand)
Temperaturerhöhung je zugeführter Wärmeleistung, angegeben in K/W. Maß für die Leistungsfähigkeit eines Kühlkörpers oder einer Fügestelle.
Schmelzwärme
Energie, die für den Phasenübergang fest/flüssig erforderlich ist; bei Anwendungen mit Vereisung in die Auslegung einzurechnen.
Seebeck-Effekt
Entstehung einer elektrischen Spannung, wenn zwei Verbindungsstellen unterschiedlicher Materialien auf verschiedenen Temperaturen gehalten werden.
Silizium-Germanium (SiGe)
Thermoelektrisches Hochtemperaturmaterial für ca. 500–1.000 °C; Einsatz in Radionuklidgeneratoren.
Spezifische Wärmekapazität (cp)
Energie, die erforderlich ist, um 1 kg eines Stoffes um 1 K zu erwärmen; bestimmt die transiente Last beim Abkühlen einer Masse.
Strahlung (thermisch)
Wärmeübertragung durch elektromagnetische Wellen zwischen Körpern unterschiedlicher Temperatur; bei tiefen Kaltseitentemperaturen relevante parasitäre Last.
Substrat
Keramikplatte, auf der das Modul aufgebaut ist – thermisch leitfähig und elektrisch isolierend.
Taupunkt
Temperatur, bei der Luft mit Wasserdampf gesättigt ist. Unterschreitet die Kaltseite den Taupunkt, kondensiert Feuchtigkeit auf dem Modul.
Thermischer Schock
Sehr schneller Temperaturwechsel; Prüfverfahren nach MIL-STD-202 Method 107.
Thermistor
Temperaturabhängiger Widerstand (meist NTC) zur Temperaturmessung; optional direkt auf dem Modul integrierbar.
Thermogenerator (TEG)
Modul zur Stromerzeugung aus einem Temperaturgefälle über den Seebeck-Effekt; typischer Wirkungsgrad 2–3 %.
Thermopaar (Couple)
Ein p- und ein n-dotierter Schenkel, elektrisch in Reihe und thermisch parallel geschaltet. Spannungsabfall rund 0,12 V je Paar.
Thermozyklus
Vollständiger Temperaturwechsel des Moduls. Dominierender Verschleißmechanismus – Zyklenzahl, Hub, Obergrenze und Änderungsrate bestimmen die Lebensdauer.
Thomson-Effekt
Reversible Wärmeaufnahme oder -abgabe in einem stromdurchflossenen Leiter mit Temperaturgradient.
Umax
Spannung, die bei Imax und maximaler Temperaturdifferenz anliegt.
Vierleitermessung
Messverfahren, bei dem Strom- und Spannungspfad getrennt geführt werden, um den Leitungswiderstand aus dem Messergebnis zu eliminieren.
Wärmeleitpaste
Pastöses Interfacematerial, das mikroskopische Unebenheiten zwischen zwei Flächen füllt. Für Peltieranwendungen möglichst ohne Silikon-Trägerflüssigkeit.
Warmseite
Modulfläche, die im Kühlbetrieb Wärme abgibt und am Kühlkörper anliegt – erkennbar an den angelöteten Anschlussdrähten.
ΔT (Delta-T)
Temperaturdifferenz zwischen Warm- und Kaltseite des Moduls.
ΔTmax
Größte erreichbare Temperaturdifferenz bei Qc = 0 W und Imax; Messung im Vakuum bei definierter Warmseitentemperatur.

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